Jahrbuch Terrorismus

Datensammlung zu terroristischen Anschlägen und Reihe "Jahrbuch Terrorismus"

 

Spätestens mit den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde das Phänomen „Terrorismus“ zu einem der bestimmenden Themen der Sicherheitspolitik. Heute, mehr als 15 Jahre später, ist der weltweite Terrorismus keinesfalls weniger gefährlich. Angriffe wie in Madrid 2004, London 2005, San Bernadino und Paris 2015 sowie Brüssel, Nizza und Berlin 2016 zeigen nachdrücklich, dass der Westen nach wie vor einer sehr realen terroristischen Bedrohung gegenübersteht. In Teilen des Nahen und Mittleren Ostens sowie Afrikas stellt sich die Situation noch erheblich dramatischer dar: In einem Nexus aus Staatenzerfall, extremistischen Ideologien und Verteilungskämpfen ist Terrorismus zu einem bevorzugten Mittel der Konfliktaustragung geworden – mit verheerenden Folgen. Horrend blutige Konflikte wie z.B. in Irak, Afghanistan, Nigeria, Syrien und Pakistan sind der hauptsächliche Grund dafür, dass sich die Zahl der Todesopfer durch Terrorismus seit 2000 mehr als verfünffacht hat. Die dringlichste Herausforderung bleibt dabei der islamistisch-fundamentalistische oder dschihadistische Terrorismus, doch sollte dies nicht den Blick auf die Gefahr verstellen, die von ethno-nationalistischen Gruppen wie der PKK in der Türkei, von rechtsextremen Tätern z.B. in Europa und den USA oder von linksextremen Gruppen wie z.B. in Indien ausgeht.

Das Forschungsprojekt

Vor diesem Hintergrund hat das ISPK im Jahr 2006 das Forschungsprojekt „Jahrbuch Terrorismus“ ins Leben gerufen. Ein Jahrzehnt des opfer- und ressourcenintensiven „War on Terror“ hat gezeigt, dass Terrorismus mitnichten einfach zu besiegen ist – viel eher haben kurzsichtige Maßnahmen und kontraproduktive Ansätze mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Das „Jahrbuch Terrorismus“ soll – unabhängig von Aktionismus und politischen Stimmungen – mit wissenschaftlicher Validität und Zuverlässigkeit die terroristische Bedrohung in all ihren Formen analysieren, Trends aufzeigen und Maßnahmen reflektieren. Gleichzeitig soll Terrorismus nicht nur als akademischer Forschungsgegenstand behandelt werden. Es ist deshalb auch der Anspruch des „Jahrbuch Terrorismus“, auf Basis von Fakten und Daten nachvollziehbare Gefahrenanalysen und Politikempfehlungen zu präsentieren.

Seit der ersten Ausgabe 2006 ist das „Jahrbuch Terrorismus“ in der Fachwelt renommiert und gehört mittlerweile zu den führenden sicherheitspolitischen Formaten im deutschsprachigen Raum. National und international anerkannte Experten wie Peter R. Neumann, Guido Steinberg, Stig Jarle Hansen, Cristoph Reuter und John Nagl haben das Projekt mit ihren Beiträgen bereichert. Für seine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema Terrorismus wurde das Projekt 2017 mit dem staatsbürgerlichen Preis der Annette Barthelt-Stiftung geehrt.

Die Datensammlung

Das Projekt „Jahrbuch Terrorismus“ gliedert sich in zwei Teile, einer davon ist der Aufbau und die Pflege einer Datenbank zu terroristischen Vorfällen weltweit. Es wird häufig beklagt, dass – gemessen an dem Raum, den das Thema in der öffentlichen Diskussion einnimmt – ein Mangel an zuverlässigen Zahlen besteht, anhand derer man belastbare quantitative Aussagen formulieren könnte. Das ISPK sammelt deswegen seit 2006 Informationen zu Orten, Opfern, Zielen, Verursachern und Methoden von terroristischen Anschlägen. Im deutschsprachigen Raum stellt dieses Projekt ein Alleinstellungsmerkmal dar. Von 2012 bis 2015 wurden so z.B. bei 17.717 Vorfällen Informationen zu zwölf bis sechszehn Kategorien erfasst, woraus ein Datensatz mit knapp einer Viertelmillion Feldern entstand.

Kontinuierliche Datenerhebung kann dabei helfen, Trends zu erkennen und Anti-Terrorismus-Maßnahmen zu evaluieren. So waren 2006 und 2007 steigende Anschlagszahlen ein Warnzeichen für die politische Destabilisierung Thailands, während sinkende Anschlagszahlen in Kolumbien die positive Wechselwirkung mit den Friedensverhandlungen illustrieren. Eine Übersicht über Anschlagszahlen, betroffene Länder, Opferzahlen und -intensität, Verursachern sowie Methoden werden in jeder Ausgabe des Jahrbuch Terrorismus in Zahlen und Grafiken veröffentlicht. Zudem wird in einem Kapitel stets auf methodische Herausforderungen sowie auf die Möglichkeiten und Grenzen quantitativer Terrorismusforschung eingegangen.

Seit 2017 macht das ISPK außerdem den georeferenzierten Datensatz über seinen Online-Auftritt „Karte Jahrbuch Terrorismus“ für alle interessierten Personen nutzbar. Vorfälle sind so such- und bestimmte Kriterien filterbar, Anschlagsorte und -schwerpunkte lassen sich auf einer zoombaren Karte darstellen. Gegenwärtig sind die Datensätze von 2014 und 2015 online nutzbar. Frühere und aktuellere Datensätze werden laufend ergänzt.

Link zur Karte

Die Publikation

Den zweiten Teil des Jahrbuchkonzeptes bildet eine qualitative Analyseeinheit in Form von Beiträgen in den mittlerweile sieben Bänden des „Jahrbuch Terrorismus“. Diese von akademischen Experten und Praktikern verfassten Beiträge gliedern sich in vier Themenbereiche: die Diskussion aktueller und allgemeiner Trends, Regionalanalysen (potentieller) terroristischer Hotspots, Politikfragen im Umgang mit Terrorismus und schließlich theoretisch-methodische Fragen der Terrorismusforschung.

Das „Jahrbuch Terrorismus“ analysiert selbstverständlich dringliche Entwicklungen im Bereich Terrorismus in allen Facetten, wie z.B. den Aufstieg des sogenannten Islamischen Staates, bietet aber auch Raum, um weniger zentrale Themen zu beleuchten, wie z.B. Terrorismus im Iran oder christliche Milizen im Syrienkonflikt. Ganz bewusst wird auch in der qualitativen Analyseeinheit Wert auf Kontinuität gelegt: Bedeutende Regionen und Aspekte, wie z.B. Afghanistan und das dortige deutsche Engagement, werden nach Möglichkeit in jedem Band des Jahrbuchs fortlaufend thematisiert – unabhängig davon, ob dies dem Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit entspricht.

In der aktuellsten Ausgabe des „Jahrbuch Terrorismus“ werden Taktik und Ideologie des sog. Islamischen Staates untersucht, ebenso wie die regionalpolitische Gemengelage, der libysche IS-Ableger und die kurdisch geführte Anti-IS-Koalition. Außerdem werden die terroristischen Gruppen al-Qaida, PKK und al-Schabaab in je einem Beitrag thematisiert. Regional werden Syrien, Yemen, Ostafrika, Osteuropa und das Tschadseebecken in den Fokus genommen. Phänomenologisch werden Lone-Wolf-Attentäter im rechtsextremen Bereich sowie das Risiko von Biowaffenterrorismus analysiert. Ferner wird die Politikfrage des Einsatzes der Bundeswehr im Inneren erörtert. Konzeptionelle Beiträge diskutieren die Morphologie des hybriden Terrorismus, das Verständnis des Sieges im Vernetzten Ansatz und die Rolle des Salafismus.

Link zum Verlag für die aktuelle Ausgabe 2015

Das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe finden Sie auf der Verlagsseite:
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Publikation

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  • Sebastian Bruns ist Mitherausgeber des Sammelbandes "Maritimer Sicherheit" im VS Verlag. Der Band beschäftigt sich ausführlich mit Problemen der Strategischen Wissenschaft, u.a. im Bereich der Piraterie, Marinestrategie und - entwicklung.

Publikation

  • Herausgeber sind ISPK-Direktor Professor Dr. Joachim Krause und Charles King Mallory, IV. Der Sammelband beschäftigt sich mit den strategischen Trends in der Region sowie den Möglichkeiten, Fehlern und Beschränkungen von Interventionen in Afghanistan.

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  • ISPK-Direktor Professor Dr. Joachim Krause ist Mitherausgeber dieses Bandes zur effektiven internationalen Zusammenarbeit. Die Autoren analysieren und diskutieren Möglichkeiten des effektiven, multilateralen Zusammenarbeitens internationaler Organisationen in verschiedenen Feldern und Regionen.